
Stachelige Stars ohne Allüren
Bericht der Aachener Zeitung / Aachener Nachrichten
vom 10. September 2008Text und Fotos von Nalini Dias - 09.09.2008
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Heinsberg-Aphoven.
Wären sie eine Combo, würden sie sich wahrscheinlich «Die Igels» nennen. Und mit ihren schnittigen Frisuren, den stacheligen Outfits und den zauberhaften Gesichtern würde die derzeit 19-köpfige Formation sicherlich die Herzen der Fans im Sturm erobern. |
«Das hier ist unser Kölner», stellt Wilfried Overhoff, Leiter der Igelstation Heinsberg in Aphoven, Talstraße 77, einen ganz besonderen Bewohner der Anlage vor. Er ist einer von vier Albinos unter den Tieren. «Nur ein Tier unter tausenden wird als weißer Igel geboren», weiß der erfahrene Igelexperte. Die weißen Tiere haben in der Station eine dauerhafte Bleibe gefunden. «Denn», so erklärt Overhoff, «die Albinos würden in der freien Natur nicht überleben.» |
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Auch sie wären in der Natur nicht lebensfähig, wie die meisten der derzeitigen Bewohner der Einrichtung. «Wir erhalten hier Igel in zum Teil schlimmen Zustand», berichtet Overhoff, der die Station seit 2001 auf seinem Bauernhof in Aphoven betreibt. Manche Tiere seien derart mit Maden befallen, dass sie nur noch eingeschläfert werden könnten. Andere seien verletzt, benötigten medizinische Hilfe oder auch nur ein Dach über dem Kopf, um den Winter unbeschadet zu überstehen. |
Bei ihrer Ankunft werden die Igel entfloht und entzeckt. Außerdem ist eine Wurmkur zur Aufnahme in der Igelstation Pflicht, ebenso wie ein Breitbandantibiotikum. «Letzten Winter haben wir insgesamt 157 Igel aufgenommen», erzählt Overhoff, der die Station derzeit auf die «Hochsaison» vorbereitet. Die Tiere, die etwa acht Jahre alt werden, haben ihr Domizil im Schuppen. |
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Dort hat der Frührentner zahlreiche mannshohe Kisten aufgebaut, in denen jedes Tier auf einer eigenen «Etage» eine gemütliche Wohnung in einem Pappkarton gefunden hat. |
Laut Wilfried Overhoff kosten ein Igel im Schnitt einen Euro pro Tag für Nahrung, Medizin, Unterkunft, Heizkosten, Pflege und Müllentsorgung. Zwar hat der «Igelvater» den Verein «Freunde der Igelstation Heinsberg» aus der Taufe gehoben, der aus 60 Mitgliedern besteht, doch aus den Mitgliedsbeiträgen allein (Minimum 20 Euro pro Jahr) sind die Kosten nicht zu decken. |
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«Wir sind auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen», erklärt Overhoff. «Weil Igel als Wildtiere gelten, erhalten wir keine Zuschüsse. Lediglich zwei Ein-Euro-Kräfte stehen uns zur Verfügung.» Das sei auch der Grund, warum es in Deutschland mittlerweile nur noch wenige Igelstationen gibt, obwohl die Existenz des stachligen Gesellen bedroht ist. Die Heinsberger Station ist weit über den Kreis Heinsberg hinaus die einzige ihrer Art. |
«Jeder Igel, der am helllichten Tag rumläuft, ist nicht in Ordnung», verdeutlicht Overhoff. |
Mein Kompliment an Nalini Dias! Ich habe selten einen so spannend formulierten und nett verpackten Bericht gelesen (das muss man hier auch einmal sagen).
Jansen, Webmaster
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Fotos: © Nalini Dias - 09.09.2008
© 2008 Igelstation Heinsberg e.V.